Hooligans auf zwei Rädern

02Aug10

Richard Herziger, vor einigen Tagen im Deutschlandradio zum Thema „Hooligans auf Rädern“:

Radfahrer überschwemmen in stetig anschwellender Zahl jeden Winkel des städtischen Raums. Unzählige von ihnen scheinen es dabei für ihr angestammtes Recht zu halten, Fußgängerwege und -zonen nach Belieben in Besitz zu nehmen.

(…) Jahrzehntelang wurde das Fahrrad von einer zunächst im grün-alternativen Milieu ausgeheckten, inzwischen aber zum Mainstream verhärteten Ideologie als Inbegriff des friedfertigen, ökologisch verträglichen und gesundheitsgerechten Fortbewegungsmittels glorifiziert. Deshalb fehlt immer mehr Radfahrern heute jedes Bewusstsein dafür, dass sich ihre scheinbar so beschaulich sanfte Apparatur im Handumdrehen in eine gefährliche Waffe verwandeln kann.

(…) Mit der Dauerverfolgung des Fußgängers durch Fahrradfahrer auf seinem ureigensten Terrain, dem Bürgersteig, nicht umsonst Trottoir genannt, droht auch eine der großen zivilisatorischen Errungenschaften des Zeitalters bürgerlicher Urbanität geschleift zu werden: das Flanieren. Wenn das Zurücklegen von Wegen zu Fuß zum Spießrutenlaufen wird, gerät das ziellose, zweckfreie Umhergehen im öffentlichen Raum, welches das Wesen des Flanierens – oder profaner gesprochen: des Bummelns – ausmacht, zur nervenzerfetzenden Tortur.

Richard Herzinger

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