Der Deutsche und sein Strukturproblem

20Jul10

Wenn dem Deutschen nicht gefällt, wie er im PISA-Vergleichstest abschneidet, dann geht er gleich aufs Ganze. Es muss dringend etwas geschehen, denkt er sich – und bastelt auch schon an einer ganz grundsätzlichen Erneuerung der Schulstruktur. An der pädagogischen Qualität herumzudoktern, das ist ihm irgendwie fremd. Er braucht ein – in Verwaltungseinheiten – messbares Ergebnis.

Wenn der Deutsche entdeckt, dass es in kirchlichen Einrichtungen offenbar diverse Übergriffe aller Art gegeben hat, dann fühlt er sich sofort herausgefordert, die kirchlichen Strukturen umzuwälzen. Die Ausbildung von Priestern zu verbessern, das ist ihm irgendwie fad. Die Katholiken sollten sich vielmehr wie die Evangelischen strukturieren, sollten die Priesterehe einführen und sich natürlich vom Papst lossagen. Die Evangelischen selbst könnten sich dann ja zu SPD-Ortsvereinen umstrukturieren.

Und wenn es dem Deutschen mal gerade zu gut geht, dann beschäftigt er sich mit Zusammenlegen von Stadtbezirken, Eingemeinden von Vororten, Kreisreformen und ähnlich überfälligen Angelegenheiten.

PhS © Chamisso Akademie

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