Heinrich Böll – Staat und Kommunismus

17Jul10

Anstelle von Gesellschaft würde ich sagen können: Staat – wenn wir einen hätten. Ich erblicke den Staat im Augenblick nicht. Dort, wo der Staat gewesen sein könnte oder sein sollte, erblicke ich nur einige verfaulende Reste von Macht, und diese offenbar kostbaren Rudimente von Fäulnis werden mit rattenhafter Wut verteidigt. Schweigen wir also vom Staat, bis er sich wieder blicken lässt. (1966 – Dritte Wuppertaler Rede – in Anwesenheit des Bundespräsidenten)

Ich möchte nur, dass dem Kommunismus in der Ausübung seiner Macht mindestens so viele Jahrhunderte Zeit gegeben wird, wie sie der Kapitalismus gehabt hat. Denn ich halte den Kommunismus immer noch für eine Hoffnung, für eine Möglichkeit des Menschen, sich die Erde untertan zu machen, ihr Ordnung zu geben – wobei wir übrigens meinetwegen auch das Wort Sozialismus gebrauchen können. Diese Hoffnung teile ich offensichtlich mit den Völkern der Erde, die jetzt anfangen sich zu befreien. (1967 – Interview von Marcel Reich-Ranicki)

Heinrich Böll

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