War Keplers Mutter eine Hexe?

13Jul10

Katharina Kepler war vor 400 Jahren, was wir heute eine erfolgreiche Familien-Managerin nennen: vier Kinder, Haus, Tiere, Felder, Wiesen – und alles ohne Ehemann. Weil sie auch als Kräuterfrau und Heilkundige galt, wurde sie von einer Freundin wegen eines Leibesschadens um Hilfe gebeten. Als die Sache aber nicht besser werden wollte, kam es zum offenen Konflikt.

Lutherus Einhorn, der Leonberger Stadtvogt, stürzte sich auf den Fall. Er hat in seiner Amtszeit 15 Anklagen wegen Hexerei-Verdachts erhoben, die in 8 Fällen auch zum Todesurteil führten. Martin Luther hatte die Marschroute ja vorgegeben: Zauberinnen sollst du nicht leben lassen! Und so wurde Katharina Kepler mit 73 Jahren in Ketten gelegt. Der evangelische Pfarrer bezeugte, dass sie der Zieglerin eine Geschwulst angehext hatte, aus der ein Haar herauswuchs. Ihr wurde vorgehalten, dass sie während eines schrecklichen Gewitters in den Wiesen gesehen und dass eine Tante bereits als Hexe verbrannt worden sei. Auch der vom berühmten Sohn Johannes vermittelte Rechtsbeistand konnte nicht verhindern, dass das evangelische Herzogtum Württemberg die inzwischen 74 Jahre alte Frau in den ersten Grad der Folter schickte: das Erschrecken.

Ein halbes Jahr später starb Katharina Kepler.

PhS © Chamisso

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