Gauck ist kein Desmond Tutu

19Jun10

Joachim Gauck ist evangelisch-lutherischer Pastor gewesen, während Desmond Tutu anglikanischer Erzbischof in Südafrika war. Beide haben herausragende Rollen nach großen Revolutionen spielen können, aber da fangen die Unterschiede erst so richtig an. Gauck hat es dazu gedrängt, der Beherrscher von 180 Kilometern Stasi-Akten zu werden, nachdem er sich lange von denselben Akten verfolgt gesehen hatte. Und so wurden wir ein ums andere Mal Zeuge einer widerlichen Entblößung – sprich: einer Entblößung von Widerlichkeiten. Noch heute dürfen wir fürchten, ganz plötzlich eine eklige alte Stasi-Unterhose vor die Nase gehalten zu bekommen.

Desmond Tutu auf der anderen Seite war Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungs-Kommission, die in zwei Jahren Täter und Opfer aus der Zeit der Apartheid in einen Dialog brachte und damit eine Grundlage für Versöhnung schaffte. Nicht die Konfrontation, nicht die Spaltung, sondern die Wahrnehmung des Anderen stand im Vordergrund. Die Ideale Gandhis und das Vorbild Chiles – von 1991 – waren Desmond Tutus Leitbilder. Und seinen Friedensnobelpreis trägt der südafrikanische Geistliche heute mit derselben Leichtigkeit wie den Fan-Schal der südafrikanischen Fußballmannschaft. Siehe die Eröffnungsfeier zur Weltmeisterschaft.

PhS © Chamisso Akademie

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