Wer einmal über den Blumenteppich geht

03Jun10

Wird sich nie wieder als arm bezeichnen lassen. Wer einmal zwischen bunten Fahnen und vielen Menschen in ihren schönsten Feiertagskleidern um die Stadt gezogen ist, in der Gemeinschaft feierliche Lieder mit festlicher Brass-Band-Begleitung gesungen hat – und dabei über einen Blumenteppich gegangen ist, weiß was Fronleichnam ist. Ein Schauspiel für alle Sinne, bei dem jeder selbst mitmachen darf. Auch evangelische Pfarrer haben sich schon hinter der katholischen Monstranz in die Prozession eingereiht. Was das Bild natürlich nur bereichern kann – wie ein Schwarz-Weiß-Element in einer Farbfotografie.

Martin Luther war gewiss kein unsinnlicher Mensch. Aber er richtete seinen Zorn gegen die machtvolle Prachtentfaltung des Vatikans, deren lokale Ausläufer er in der Fronleichnams-Prozession wahrnahm. Mit protestantischen Angriffen auf bayrische Prozessionen begannen dann später auch die Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges. – Das ist nunmehr längst Geschichte. Die Macht des Vatikans in einer säkularisierten Moderne ist minimal. Und es ist ein gutes Signal für die Ökumene, wenn evangelische Theologen heute in der Fronleichnams-Prozession eine Möglichkeit wahrnehmnen, dem christlichen Selbstbewusstsein zu frönen.

PhS © Chamisso Akademie

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