Es war einmal ein Köhler

01Jun10

Er war der bescheidenste Mann im ganzen Land. Geboren wurde er als vorletztes von acht Kindern sehr bescheidener Eltern mitten im Zweiten Weltkrieg. Bevor er zehn Jahre alt war, musste seine Familie noch zweimal fluchtartig ihr Zuhause verlassen. Dennoch taten seine Eltern alles, damit es die Kinder einmal besser haben könnten. Und der junge Köhler durfte schließlich in Behelfsbaracken der Universität Tübingen Volkswirtschaft studieren. Er war immer ein sehr guter Arbeiter und deswegen auch sehr beliebt bei denen, die selber gut arbeiten.

So kam es, dass er in seiner beruflichen Laufbahn bis zum Direktor des Internationalen Währungsfonds aufstieg. In vielen Ländern der Welt konnte er sich mit seiner Bscheidenheit gute Freunde machen. Und als er plötzlich zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war er auch sehr schnell im eigenen Land beliebt. Alle bescheidenen Menschen liebten ihn sehr. Aber die Großsprecher der Nation, die nur sich selbst lieben, mochten ihn gar nicht und mäkelten immer mehr an ihm rum. Das beunruhigte den bescheidenen Mann so tief, dass er sich keinen Ausweg mehr wusste – und unter Schmerzen sein Amt niederlegte.

PhS © Chamisso Akademie

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