Was Broder zum Pazifismus sagt

20Mai10

Der Pazifismus, dem die Deutschen verfallen sind, richtet sich nicht gegen den Krieg an sich, er richtet sich gegen eine deutsche Beteiligung an militärischen Einsätzen. Es ist nicht die Liebe zum Frieden, die ihn antreibt, sondern nur der Wunsch, andere mögen sich die Hände schmutzig machen, damit wir mit einem blitzsauberen Zeigefinger auf sie zeigen können.

Afghanistan den Taliban zu überlassen, wäre nicht nur für die Afghanen eine Katastrophe, so wie ein Vulkanausbruch auf Island nicht nur den Himmel über Island verdunkelt hat. In Deutschland freilich herrscht die Meinung vor, dass Naturkatastrophen grenzüberschreitend sind, der Terrorismus dagegen an Grenzen haltmacht und Wohlverhalten honoriert.

Wenn wir denen nichts antun, tun sie auch uns nichts an – glauben viele, die ansonsten davon überzeugt sind, dass ihre Häuschen in der Lüneburger Heide geflutet würden, wenn es Angela Merkel nicht gelingt, die globale Erwärmung zu stoppen. „Man kann mit Krieg Terrorismus nicht bekämpfen, man erzeugt nur neuen!“ rief Gregor Gysi erst kürzlich im Bundestag aus, ohne zu erklären, wie er dem Terrorismus den Garaus machen möchte. Mit Hilfe der Heilsarmee? Des Goethe-Instituts? Der Initiative Brot für die Welt?

Henryk M. Broder

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