Der Traum vom starken Staat

07Mai10

Politik und Wirtschaft stehen in einem scharfen Widerspruch zueinander. Heißt es in letzter Zeit sehr oft und immer wieder. Und da die Wirtschaft ja schlecht für uns sei, müsse die Politik uns erlösen von diesem Übel. Und alle, die wissen, wie’s geht, fordern eine demokratische Aneignung des Kapitalismus. Die Politik müsse wieder die Souveränität über die Märkte gewinnen. Aber wann und wo hat der Staat eine wirkliche Souveränität über die Märkte denn mal gehabt?

Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahn aufkam, entschied sich der preußische Staat gegen ein eigenes Engagement in der Branche. War ihm zu riskant. Nachdem private Unternehmer dieses neue Transportmittel aber zum Erfolg geführt hatten, besteuerte der Staat deren Unternehmen – und zwar immer höher im Laufe der Jahre. Minimierte dadurch die Gewinne der Unternehmen und konnte dann die fallenden Aktien billig einkaufen. Das waren die bescheidenen Anfänge eines immer stärker werdenden Staates. Wirklich mächtig jedoch war ein deutscher Staat erst unter Hitler. Und die volle Souveränität über die Märkte gewannen dann erst Ulbricht und Honecker. Ist es das, wovon wir jetzt wieder träumen sollten? Oder ist das nicht vielmehr der Albtraum?

PhS © Chamisso Akademie

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