Der Mann mit dem sympathischen Zottelbart

04Mai10

Berlin, Prenzlauer Berg. Nirgendwo sonst leben so viele Menschen auf einem Haufen, die mit der Geißendörflichen Idylle der Lindenstraße aufgewachsen sind. Seit nunmehr 25 Jahren. Da kann das Fernsehen schon zu einer neuen Qualität der Wirklichkeit werden: Wir mögen vielleicht immer wieder kleine Probleme miteinander haben, aber im Grunde unseres Herzens sind wir gute Menschen – und das Böse kommt nur von außen. Wenn dann die Nazis in unsere Idylle einbrechen wollen, ist natürlich Courage gefragt. Wir sitzen dann alle brav auf der Straße und lassen uns von der Polizei wegtragen. Und unser Nachbar, der Mann mit dem sympathischen Zottelbart, den wir aus anderen Fernsehprogrammen kennen, sitzt mitten unter uns.

Schnitt.

Jetzt versucht die SPD, dem Mann mit dem Zottelbart zu erklären, dass wir nicht im Jahr 1938 leben, dass die Nazis nicht an der Macht sind, dass wir vielmehr in einem Rechtsstaat leben und dass es nicht Courage, sondern Rechtsbruch ist, sich der Polizei in den Weg zu setzen. Und dass du ganz besonders als Vizepräsident des Bundestages das Recht nicht mit Rechtsbruch verwechseln solltest. Und die Wirklichkeit nicht mit der Lindenstraße.

PhS © Chamisso Akademie

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