Amnesty International in der Krise

03Mai10

Fast einstimmig hat das belgische Parlament Kleidungsstücke verboten, die das Gesicht ganz oder hauptsächlich verhüllen. Darunter fallen die Burka – ein Ganzkörperumhang mit einem kleinen Luftgitter vor den Augen – und der Niqab – eine Art das Gesicht mit Stoffen zu verpacken, die wir von Krankenhaus-Aufenthalten nach schweren Auto- oder Skiunfällen kennen. Noch vor wenigen Jahren hätten wir in unserer europäischen Naivität nicht angenommen, dass sich jemand „freiwillig“ in solch ein mobiles Gefängnis einsperren wird. Um dann hinter dem im Hochsommer lässig in Shorts und T-Shirt gekleideten Ehegatten einherzuschreiten.

Und was sagt Amnesty International nun dazu? Die fühlen sich – Stichwort: mobiles Gefängnis – offenbar aufgerufen zu zeigen, dass es sie noch gibt. Und lehnen sie das mobile Gefängnis ab? Nein, im Gegenteil. Wenn die Frau nicht mehr in diesem mobilen Gefängnis auf die Straße darf, wird sie zwangsläufig in der Wohnung eingesperrt. Sagt Amnesty International. Das wäre dann ein immobiles Gefängnis und noch schlimmer. Deswegen solle man die Frau lieber im mobilen Gefängnis rumlaufen lassen. Himmel hilf. Was ist nur aus der Idee von Freiheit geworden, für die sich Peter Benenson, der jüdisch-englische Gründer von Amnesty International, früher mal starkgemacht hat.

PhS © Chamisso Akademie

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