Enteignet Springer!

26Apr10

Der SDS, die linke Studentenbewegung der späten 60er Jahre – und die mitunter recht militante Anti-Springer-Kampagne jener Zeit – das gehört in unseren Augen zusammen wie Rudi und Dutschke. Oder wie Baader und Meinhof. Aber: Es gab in dieser Gleichung noch einen Mitspieler. Sein Name war Walter Ulbricht. Ihm verdanken wir sogar den flotten Spruch „Enteignet Springer“. Er hatte das schon 1966 gefordert. Und Walter Ulbrichts Stasi tat auch wirklich alles, um Springer wenigstens zu diskreditieren.

Zugespitzt hatten sich die Dinge, als Axel Cäsar Springer in den frühen 60ern sein Hochhaus direkt vor die Berliner Mauer bauen ließ. Das war der Stasi natürlich ein Riesendorn im Auge. Sie setzten etliche Spitzel gegen das Springer-Imperium ein und drangen auch bis ins Chefsekretariat vor. Was ihnen aber nicht genügte. Ulbricht ließ das Feindbild Springer von Drehbuchautoren ins geradezu Groteske verzerren und in ein monströses zehnstündiges Filmportrait gerinnen. Als sich die Westberliner linke Bewegung auf die Anti-Springer-Kampagne stürzte, konnte man hinter der Mauer wohl zufrieden sein.

Oder saßen SDS und SED sogar im selben Boot? Wie Rudi Dutschke höchstpersönlich noch 1977 verriet, „arbeiteten wir vom SDS in einem über Vietnam vermittelten Rahmen mit der SED beschränkt zusammen“.

PhS © Chamisso Akademie

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