Die armen Grundschullehrer von Berlin

16Apr10

Jetzt müssen sie bereits zwei Stunden länger unterrichten als die Gymnasiallehrer. Kriegen auch noch weniger Geld dafür. Müssen sich mit den unterschiedlichsten Schülern rumschlagen: Die einen wissen’s manchmal schon besser als die Lehrerin, können Geige spielen und warten nur darauf, endlich aufs Gymnasium gehen zu dürfen – und die anderen – nicht. Und dann kommt zu allem Überfluss noch dieser dämliche bundesweite Vergleichstest für alle Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse. Rechtschreibung, Mathematik und Lesen. Als ob die armen Grundschullehrer, die ja eigentlich schlaue Lehrer sind, nicht schon vorher wüssten, was dabei rauskommt. Und da die armen schlauen Lehrer auch nicht faul sind, schreiben sie gleich einen langen Brief an den Senator. Das sei doch eine Form der Diskriminierung, wenn nachher jedem ersichtlich wäre, dass viele Berliner Kinder nicht einmal die einfachsten Texte verstehen können.

Da haben sie natürlich recht. Denn das möchten wir doch gar nicht wissen. Uns reicht es, wenn wir später erfahren, wie viele der Jugendlichen nicht ausbildungsreif sind. Und manchen von ihnen werden wir dann vielleicht ja auch in der Kriminalstatistik wiederbegegnen. Dann können wir immer noch überlegen, was wir alles verkehrt gemacht haben – und warum wir eigentlich nicht schon vor der Schule anfangen, allen Kindern die Begegnung mit der deutschen Sprache zu ermöglichen.

PhS © Chamisso Akademie

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