Nietzsche spricht für sich selbst

14Apr10

Mein Ehrgeiz ist, in zehn Sätzen zu sagen, was jeder andere in einem Buche sagt – was jeder andere in einem Buche nicht sagt. Der Gelehrte, der im Grunde nur noch Bücher wälzt, verliert zuletzt ganz und gar das Vermögen, von sich aus zu denken. Wälzt er nicht, so denkt er nicht. Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft.

Von sich absehen lernen ist nötig, um viel zu sehen. Ich vermute, dass wir nur sehen, was wir kennen. „Erkenne dich selbst“ ist die ganze Wissenschaft. Die Menschen durchleben jetzt alle zu viel und durchdenken zu wenig. Nicht das Gehirn denkt, sondern wir denken das Gehirn.

Es ist verräterisch, nach Größe zu streben. Wer sie hat, strebt nach Güte. Je besser der Staat eingerichtet ist, desto matter die Menschheit. Neid und Eifersucht sind die Schamteile der Seele. Menschen, welche man nicht leiden kann, sucht man sich zu verdächtigen. Unsere Zeit verträgt nur eine Gattung von Reichen – solche, welche sich ihres Reichtums schämen.

Friedrich Nietzsche

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