Alle lieben Ulrike Herrmann

13Apr10

Bücher zu schreiben ist keine Kunst. Ein kleiner Aufsatz, ein Essay oder ein Zeitungsartikel – das reicht schon. Dieses leichte Etwas muss nur noch mit viel Luft zu einem größeren Luftballon aufgeblasen werden und einen schönen griffigen Titel kriegen. Passt schon. Und wenn man die Einleitung gelesen hat, hat man’s. Ein bisschen Weisheit steckt ja immer drin. Auch manches, was Hans-Werner Sinn schreibt, macht einfach Sinn. Nur die von allen geliebte Ulrike Herrmann schafft das schier Unmögliche: den blanken Unsinn zwischen zwei Buchdeckel zu pressen.

Das Fazit ihres Artikels, den sie auf Buchlänge gedehnt hat: Die Mittelschicht wird so lange für die Reichen zahlen, wie sie sich selbst zu den Reichen zählt. Wo bitte soll denn die Grenze zwischen der Mittelschicht und den Reichen verlaufen? Da wo die Technokraten gerade eine Linie beim Jahresverdienst gezogen haben? Oder wo andere Technokraten die Linie ziehen würden? In Bezug auf das Kriterium Hautfarbe nennen wir es Rassismus, eine Gruppe in den Käfig eines bestimmten Wortes zu sperren. Und schickt sich nicht auch Ulrike Herrmann, unsere Tante aus der Mittelschicht, gerade an, mit einem Bestseller zu den Reichen aufzusteigen? Alle lieben die Tante, wünschen ihr den größtmöglichen Erfolg und hoffen, dass sie sich bald mit ihren Tantiemen einen Porsche kaufen kann. Allein von der dabei anfallenden Mehrwertsteuer können dann wieder vier oder fünf Hartz-IV-Empfänger ein ganzes Jahr leben.

PhS © Chamisso Akademie

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