Kann die Schweiz ein Vorbild sein?

07Apr10

Wir tun uns leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn die – in unseren Augen – etwas verkehrt machen. Auf die Schweiz haben wir in jüngerer Vergangenheit wiederholt mit allen zehn Fingern gezeigt. Manche bedauerten sogar, dass es keine Kavallerie mehr gibt, mit deren Hilfe wir der Schweiz den Krieg hätten erklären können. Aber wir tun uns schwer, von anderen zu lernen, selbst wenn die – in unseren Augen – etwas richtig machen. Üblicherweise schauen wir dann nämlich gerade nicht hin. Und während wir gerade mal weggeschaut haben, sind drei Guantanamo-Häftlinge in der Schweiz aufgenommen worden.

Vor Obamas Wahl zum Präsidenten haben wir uns ausführlich mit den unhaltbaren Zuständen von Guantanamo beschäftigt. Seit er aber angekündigt hat, dass er das Militärgefängnis binnen eines Jahres aufgelöst haben will, haben wir das Problem dankbar als gelöst betrachtet. Das Jahr ist schon längst vorbei, Guantanamo gibt es immer noch, und was aus den Häftlingen wird, interessiert uns offenbar wenig. Während jedoch die kleine Schweiz drei Häftlingen eine neue Heimat und – aus Sicherheitsgründen – eine neue Identität gegeben hat. Darunter sind zwei Uiguren aus der chinesischen Provinz Xinjiang, die trotz chinesischer Proteste im Schweizer Jura aufgenommen wurden. Unter dem Beifall des Schweizer Parlaments. Kann die Schweiz ein Vorbild sein?

PhS © Chamisso Akademie

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