Jerusalem und die Juden

04Apr10

Das wiedervereinigte Berlin ist dem Bürgermeister von Jerusalem nur ein Beleg für seine These, dass sich Städte auf Dauer nicht teilen lassen. Und so spricht Nir Barkat logischerweise auch nicht von einer Besetzung Ostjerusalems, sondern von einer Wiedervereinigung. Die Weltöffentlichkeit sieht das anders, da Ostjerusalem doch die Hauptstadt eines neu zu schaffenden palästinensischen Staates werden sollte. Diese Idee ist allmählich aber in Krieg, Terror und Gegenkrieg zerrieben worden. Die Palästinenser selbst haben sich dabei sogar in zwei feindliche Fraktionen zerteilt. Und immer wieder, sagt Nir Barkat, wenn wir uns aus besetzten Gebieten im Libanon und im Gazastreifen zurückgezogen haben, wurden wir zum Dank dafür mit Raketen beschossen.

Jetzt baut Israel also in Ostjerusalem und versteht das als Wiedervereinigung der Stadt. Alle Welt fordert den sofortigen Baustopp. Und der Bürgermeister fragt: Sollen wir auch nicht die dringend benötigten Schulen für arabische Kinder bauen? Was tatsächlich leicht vergessen wird: Ein Drittel der israelischen Staatsbürger sind arabische Muslime. Sie dürfen auch zur Wahl gehen, machen davon aber kaum Gebrauch. Der Bürgermeister, der im Holocaust nicht weniger als 35 Mitglieder seiner Familie verloren hat, stellt sich ein friedliches Zusammenleben in einem ungeteilten Jerusalem vor. Seinen Anspruch auf die Stadt – im Unterschied zum Westjordanland, das er in die staatliche Unabhängigkeit abzugeben bereit ist – begründet er mit der jüdischen Geschichte: In den alten Schriften, im Alten und Neuen Testament findet Jerusalem 663 Nennungen – im Koran dagegen keine einzige.

PhS © Chamisso Akademie

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