Precious Education

31Mrz10

Sie heißt Claireece Precious Jones, ist 16 Jahre alt und extrem übergewichtig. Sie kommt aus dem Citizens Advice Bureau in New York, hat ein kleines mongoloides Kind an der Hand, das kaum laufen kann, und ein frisch geborenes Baby auf dem Arm. Beide Kinder hat sie aus einer Gewaltbeziehung mit ihrem eigenen Vater, der sie dabei auch mit dem Aidsvirus angesteckt hat. Ihre Bleibe, nachdem sie sich gerade endgültig von der Mutter distanziert hat, ist ein Auffangheim für Gewaltopfer. Eine irgendwie abgeschlossene Schulbildung hat sie – noch – nicht. Nur sehr traurige Filmkritiker können diesen Schluss des Films „Precious“ als Happy End bezeichnen.

Der einzige Funke Hoffnung, den sich der Zuschauer für die Zukunft von Precious machen kann, ist die Bildung. Sie hat in wenigen Monaten gerade beim Lesen, das sie überhaupt nicht beherrschte, große Fortschritte gemacht. Und zwar in einer Schule für Schulversager, in die sie nur aufgenommen wird, weil sie wegen der zweiten Schwangerschaft von der Regelschule fliegt. Dass sie überhaupt in die Schule geht, ist schon ein Akt der Emanzipation gegenüber ihrer Mutter, von der sie nur beschimpft und drangsaliert wird. Das ist ein sehr harter Film. Hart, weil realistisch. Mädchen im Alter von Precious schreien im Kino an ein oder zwei Stellen vor Schrecken laut auf. Der Zuschauer leidet mit diesem Mädchen namens Precious – und wünscht ihr am Ende, dass sie die Lust auf Bildung nicht wieder verlieren möge. Sie hat gerade mal einen Zipfel des Menschenrechts auf Bildung zu fassen gekriegt.

PhS © Chamisso Akademie

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