St. Blasien und die Odenwaldschule

29Mrz10

Sie werden jetzt oft in einem Atemzug genannt: Missbrauch hier und Missbrauch da. Aber es gibt bei näherem Hinsehen doch Unterschiede. Im katholischen Internatsgymnasium St. Blasien hat von 1982-84 ein Jesuitenpater namens Wolfgang S. Sportunterricht gegeben, während er gleichzeitig psychiatrisch behandelt wurde. Dem Jesuitenorden war bekannt, dass er vorher in Berlin Kinder unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht hatte. Als er offenbar rückfällig wurde, musste Wolfgang S. die Schule von St. Blasien verlassen. 1991 hat er seine Taten ausführlich gestanden, ist aus dem Jesuitenorden ausgeschieden und nach Chile gegangen. Die Staatsanwaltschaft ist mit einem Ermittlungsverfahren in dieser Sache beschäftigt.

Von der Odenwaldschule sind inzwischen sexuelle Übergriffe aller Art aus der Zeit von 1966-91 bekannt. Acht Lehrer waren involviert. Jeder wusste von den Duschorgien des Schulleiters Gerold Becker mit seinen ihm anvertrauten Knaben, vom Sexualleben des Musiklehrers mit vier Jungs in einer abgeriegelten Wohngemeinschaft, von der Affäre einer Englischlehrerin mit einem 17-Jährigen und vom sexuellen Verkehr der Ehefrau eines Lehrers mit einem anderen 17-Jährigen. Das sagt Tilman Jens, Spießer-Spezialist aus Tübingen und Schüler der Odenwaldschule in den 70er Jahren. Er schwärmt immer noch von dem Klima des Umbruchs, in dem die Spießermoral zum Teufel gejagt wurde – mithilfe der Sexuellen Revolution. Bezüglich der Odenwaldschule von einem Sumpf des Missbrauchs zu sprechen, ist eine Beleidigung für jede anständige Moorlandschaft.

PhS © Chamisso Akademie

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