Trau keiner Statistik

28Mrz10

Es sei denn, du hättest sie selbst gefälscht. Dieses Bonmot stammt von dem Mann, der für uns den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat: Winston Churchill. Machen wir die Probe aufs Exempel und nehmen wir das Statistische Bundesamt. Zum Beispiel den Reallohnindex. Der ist ja gerade um 0,4% gegenüber dem Vorjahr gesunken. Da fragt man sich, wie das passieren kann, nachdem eigentlich alle Branchen – wie immer – deutliche Lohnzuschläge gefordert – zum Teil mit Streik unterstützt – und am Ende auch durchgesetzt haben. Die Gewerkschaften waren mit ihrer Arbeit jedenfalls – wie immer – zufrieden.

Man muss schon den schwer zugänglichen Text der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes studieren, um eine Vorstellung von der Wirklichkeit hinter der Statistik zu bekommen. Erste Frage: Was ist ein Reallohnindex? Das ist der Bruttomonatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten – einschließlich Sonderzahlungen. Und was sind Sonderzahlungen? Das sind Bonusse, Boni etc. Uuaah. Da haben die Beschäftigten von Banken und Versicherungen 20% weniger Sonderzahlungen, die Beschäftigten der Automobilindustrie 15,4% weniger – und das zieht unterm Strich diesen gesamten Reallohnindex so weit nach unten, dass die von den Gewerkschaften hart erkämpften Lohnzuschläge gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Wow. Wir haben alle – zusammen – weniger Geld.

Das ist aber für die Gewerkschaften eigentlich auch wieder eine gute Nachricht. Denn mit so etwas wie einem gesunkenen Reallohnindex lässt sich bei den nächsten Verhandlungen doch blendend argumentieren.

PhS © Chamisso Akademie

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