Wer liest welche Zeitung? Und warum eigentlich?

23Mrz10

Die FAZ wird von denen gelesen, denen es wichtig ist so zu tun, als ob sie ein richtiges humanistisches Abitur gemacht hätten. Die Frankfurter Rundschau von denen, die einerseits so tun, als ob sie nicht wüssten, dass 40 % der FR eigentlich der SPD gehören, die sich andererseits heimlich aber doch sehr für die SPD interessieren. Die Süddeutsche Zeitung wird von denen gelesen, die so tun, als ob ihnen die Welt gehört. Die Welt wird von denen gelesen, die wissen, dass den SZ-Lesern die Welt gar nicht gehört. Die Bild wird von allen gelesen, denen es scheißegal ist, wem die Welt gehört – Hauptsache: Es gibt bunte scharfe Bilder.

Der Berliner Tagesspiegel wird von denen gelesen, die den deutschen Protestantismus immer noch genauso ernst nehmen wie vor 500 Jahren. Die Berliner Zeitung von denen, die entschlossen sind, an der deutschen Wiedervereinigung so lange herumzubasteln, bis die DDR am Ende vielleicht doch noch gewinnt. Die taz von den fröhlichen jung gebliebenen Alten, die so tun, als ob sie sich ganz mächtig für Politik interessieren, in Wirklichkeit aber immer nur die Seite 1 lesen. Die junge Welt von denen, die sich tatsächlich überhaupt nicht für Politik interessieren, aber umso mehr für Klassenkampf. Das Neue Deutschland musst du lesen, wenn du als erster wissen willst, wie der neueste Name der SED gerade lautet.

Und das Handelsblatt? Das wird wohl von denen gelesen, die sich für echte Wirtschaftsprofis halten. Aber nur heimlich. Man möchte ja schließlich keinen Neid wecken. Und die Financial Times Deutschland? Das weiß kein Mensch, wer diese Zeitung liest. Aber nach einem Gerücht aus gut informierten Kreisen soll Gerhard Schröder fast die gesamte Auflage unter verschiedenen Decknamen abonniert haben.

PhS © Chamisso Akademie

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